Vorbereitungen für Erstbelegung laufen auf Hochtouren

Der Freundeskreis Flüchtlinge Gorch-Fock-Straße hat am Nachmittag des 21. Januar erfahren, dass der Erstbezug der Notunterkunft an der Gorch-Fock-Straße 32 in der nächsten Woche erfolgen soll. Die Stadt Stuttgart hat die Belegungszahl nach intensiven Verhandlungen auf maximal 64 Personen reduziert und setzt das vom Freundeskreis vorgelegte Möblierungskonzept um. Ursprünglich war eine Belegung mit bis zu 80 Asylsuchenden vorgesehen. Nach der vollständigen Möblierung Ende 2015 hat sich jedoch herausgestellt, dass die früheren Klassenzimmer zu voll waren. Eine für 80 Personen notwendige Möblierung mit Stockbetten, Spinden, Tischen, Stühlen und Abfalleimern war angesichts des Zuschnitts der ehemaligen Klassenzimmer illusorisch. Die Menschen hätten kaum noch Bewegungsraum gehabt, es hätte nicht genügend Platz für Aufenthalt und Einnahme der Mahlzeiten zur Verfügung gestanden, Fluchtwege wären durch Möbel blockiert worden.

Dabei hatte die Stadt schon auf die bei derartigen Massenunterkünften üblichen Trennwände (auf raumgreifenden Füßen installierte Bauzäune, die mit Kunststofffolien bespannt werden) aus Platzgründen verzichtet. Der Freundeskreis hat angesichts der unmittelbar bevorstehenden Erstbelegung gestern spontan eine Arbeitsgruppe gebildet, die nach einem eigenen Vorschlag noch schnell raum- und kostengünstige Abtrennungen zwischen Stockbetten schaffen will.

Mit diesem Angebot möchte der Freundeskreis unbedingt noch vor der Erstbelegung wenigstens ein Minimum an Privatsphäre in der Unterkunft ermöglichen, wenngleich er der Ansicht ist, dass dies Aufgabe der Stadt wäre, die die Abtrennungen nur aus Platzmangel – im wahrsten Wortsinne – eingespart hat. Doch hier war schnelles Handeln notwendig. Denn: Der Freundeskreis möchte, dass die Unterkunft einen guten Start hat. Harmonisches Zusammenleben ist dafür die Grundvoraussetzung. Nach Überzeugung des Freundeskreises setzt dies Rückzugsmöglichkeit in kleine Wohneinheiten voraus.

Diese Überzeugung teilt offensichtlich auch die Stadt, weil sie Massenunterkünfte inzwischen nur noch für eine möglichst kurze Anfangszeit als Aufenthaltsort zur Verfügung stellen möchte. Deshalb ist mit Belegungszeiten von etwa vier Monaten zu rechnen, danach sollen die Bewohner in kleinräumige Unterkünfte wechseln. Die Interimsunterkunft wird danach wieder neu belegt. Dies soll nach neuesten Informationen auch an der Gorch-Fock-Straße 32 so sein.

Der Freundeskreis steht nun also vor der ersten Belegung der Unterkunft, für deren Unterstüzung sich bereits rund 50 Bürgerinnen und Bürger gefunden haben, die hochmotiviert an ihre ehrenamtliche Aufgabe als „Volunteers“ herangehen. Der Freundeskreis durfte bereits einige Spenden erhalten, es haben mehrere Vorbereitungstreffen stattgefunden, und es bestehen bereits Verbindungen zu benachbarten Freundeskreisen, die sich gegenseitig unterstützen wollen. Es werden Helferteams gebildet, Tätigkeitsfelder definiert und Willkommensstrukturen geschaffen. Sogar ein wenig Arabisch wurde schon gelernt.

Dies alles sind beste Voraussetzungen für einen guten Start der Gorch-Fock-Straße 32. Die wichtigste von allen war jedoch die Reduzierung der Soll-Belegungszahl auf höchstens 64 Personen. Eine kluge Entscheidung der Stadt, über die der Freundeskreis sehr froh ist. Auch im Interesse des sozialen Friedens in Sillenbuch und einer guten Nachbarschaft mit der Wohnbevölkerung im Umfeld des Übergangswohnheims.

Bei allen, die im Vorder- und Hintergrund den Freundeskreis dabei unterstützt haben, die Wohnbedingungen für die Asylsuchenden im Rahmen der räumlichen Gegebenheiten zu optimieren, möchte sich der Freundeskreis bedanken. Zwei Politiker, deren Rat und Unterstützung besonders wertvoll waren, verdienen ein besonderes Dankeschön – der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Kaufmann (CDU) sowie der Fraktionssprecher der SPD im Sillenbucher Bezirksbeirat Ulrich Storz. Sie haben mit Herz und Verstand agiert!

Jetzt freuen sich die Mitglieder des Freundeskreises, endlich ihre ersten Schützlinge begrüßen zu dürfen. Erste Kontakte sollen bei einem Begrüßungskaffee geknüpft werden. Schon bald gibt es dann hoffentlich weitere gute Nachrichten.

Dr. Eva Dessecker
Sprecherin